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Alice in Wonderland - vom verträumten Mädchen zur Feministin Drucken E-Mail
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Geschrieben von: pg   

Alice ist bereits als kleines Mädchen sehr verträumt und so erstaunt es nicht, dass sie auch an ihrer Verlobungsfeier, von der sie eigentlich nichts weiss, lieber die weissen Kanninchen beobachtet, als sich standesgemäss in der aristokratischen Gesellschaft zu bewegen. So überrascht es auch nicht, dass Alice bei der Frage aller Fragen des Lordes, den sie heiraten sollte, die Flucht ergreift. Ein weisses Kanninchen mit Gilet weist ihr den Weg zu seinem Bau - ein trügerisches Loch in der Erde. Von der Neugier getrieben, steckt Alice ihren Kopf in den Kaninchenbau, fällt kopfüber hinein, fliegt durch einen endlos langen Tunnel und findet sich in einer völlig anderen Welt wieder. Dort wird Alice sehnlichst erwartet - auch wenn sich nicht alle einig sind, ob sie die richtige Alice sei. Lange wissen auch die Zuschauenden  nicht, ob sie wirklich die richtige Alice ist. Klar wird aber bald einmal, dass sich Alice in die Rolle, die ihr in Unterland zugedacht ist, begibt und die Heldin im Kampf zwischen der roten und der weissen Königin spielen wird. Anfänglich noch eher zögerlich, zunehmend aber mit grossem Selbstbewusstsein nimmt Alice die Aufgaben in Angriff und überwindet grosse und kleine Hindernisse, so dass sie schlussendlich das Böse in Form der roten Königin besiegt und der gutherzigen weissen Königin die Krone zurückbringt. Auch wenn der Hutmacher, Alices treuer Gefährte in ihrem Abenteuer, sich wünscht, dass sie im (W)Underland bleibt, will Alice zurück und sich den Fragen in ihrem eigentlichen Leben stellen. Gestärkt durch ihre Erlebnisse erscheint sie erneut vor der wartenden Gesellschaft und verkündet, dass sie den ihr zugedachten Lord nicht heiraten kann, weil er nicht der Richtige sei. Danach befreit sie sich von allen Zwängen der Gesellschaft und gibt allen Personen, welche zuvor ihr Leben bestimmen wollten, zu verstehen, dass sie ihr Leben von nun an selber in die Hand nehme. Ihr Leben in die Hand nehmen heisst für Alice, die Ideen ihres verstorbenen Vaters aufzugreifen. Sie ernennt sich zum Geschäftspartner ihres Fast-Schwiegervaters und erobert auf den Seewegen die Welt. Die reale Welt.

Der Film an und für sich enspricht ganz dem gleichnamigen und bekannten Märchen von Alice im Wunderland. Die Animationen sind gut gemacht und die Tiere in der Unterwelt erzielen eine Vielfalt von Wirkungen: von lustig über süss bis zu absolut schrecklich. Auf den ersten Blick mag das Märchen gar nicht viel aussagen und der Film kommt lange nicht aus dem Hollywood-Märchen-Trott. Erst gegen Ende fällt die Hauptaussage, zumindest mir, wie Schuppen von den Augen. Alice ist eine Frauenrechtlerin. Als Kind unterliegt sie, trotz ihren wilden Ideen, den Zwängen der Gesellschaft und glaubt, aufgrund ihrer Träume, verrückt zu sein. "Vielleicht bist du es wirklich, aber die Verrückten sind die Besten." Diese Weisheit gibt ihr der Vater schon früh mit. Die Reise in die Unterwelt steht für die Entwicklung, die Identitätsfindung der jungen Frau. Sie kämpft mit Unsicherheit und Zweifel, lässt sich lange noch von ihrer Umwelt beeinflussen und lernt zunehmend, sich für ihre Ziele einzusetzen und ihren Weg, auch wenn er nicht dem vorgezeichneten entspricht, zu gehen. Immer mehr findet sie ihre Indentität, merkt, dass sie Alice ist. DIE Alice, die auch schon als Kind auf ihrem Weg war, den Weg nach dem Tod des Vaters unterbrochen hat und ihn nun in der Jugend wieder findet.  Gestärkt durch ihre abenteuerliche Entwicklungsreise kommt Alice in die Erwachsenenwelt zurück und beschliesst, auch hier ihren eigenen Weg zu gehen. Nicht die Gesellschaft, sondern sie selbst bestimmt, wohin der Weg führt. Durch den ungewöhnlichen Weg einer jungen Aristokraten-Tochter, der über die Handelswege der Welt führt, wird Alice am Ende des Films nicht nur zur Heldin sondern auch zu einer Symbolfigur als Kämpferin für die Selbstbestimmungsrechte der Frauen. Eher ungewöhnlich für einen Hollywood-Film findet sie am Schluss nicht die grosse Liebe, sondern ihre eigene persönliche Freiheit, vor allem in der Form der Selbstbestimmung, die in ihrem Fall nun mal halt über der Liebe steht.

Wie so oft in vielen Filmen des Sommerkinos merkt man erst auf den zweiten Blick, was der Film, neben der Hauptgeschichte, noch aussagen könnte. Oft verbirgt sich hinter der Geschichte noch eine zweite Ebene, welche die Zuschauer oft nachdenklich auf dem Weg durch das nächtliche Langenthal nach Hause begleitet.

Heute wurden die Zuschauenden für dieses Jahr zum letzten Mal nach Hause entlassen. Auch dieses Jahr sind verschiedenste interessante, komische, schöne, traurige, lustige, nachdenkliche, spezielle und speziell gute Filme über die Leinwand des Sommerkinos geflimmert. Wermutstropfen bleibt das Wetter, das auch in diesem Jahr nicht immer brillierte. Trotzdem bleibt auch das SoKi 2010 in guter Erinnerung.

Herzlichen Dank dem Organisationsteam und allen Helferinnen und Helfern, welche wiederum zu diesem nicht mehr aus der Jahresagenda von Langenthal wegzudenkenden Anlass beigetragen haben.

Aktualisiert am Mittwoch, 18. August 2010 um 23:35
 
Wahrheiten und Wirklichkeiten auf Shutter Island Drucken E-Mail
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Geschrieben von: RM   

"Ist es besser als Monster zu leben oder als guter Mensch zu sterben."

Dieser Schlüsselsatz ist sehr wahrscheinlich die wichtigste Aussage in einem Film, bei dem einem zu allererst alles, dann noch vieles und am Ende gar nichts mehr klar zu sein scheint. Ist es nun wirklich der Protagonist verkörpert durch Leonardo DiCaprio, der effektiv spinnt oder ist es doch eher die ganze Verschwörungstheorie einer Regierung, welche ihn als verrückt deklariert sehen möchte, da er ihr auf die Schliche gekommen ist, welche hier die Fäden zieht?

Der Film liefert mehr Fragen als Antworten. Einige betiteln ihn denn auch gleich als ziemlich schlecht, während sich andere noch längst im Kino befinden und über den Schluss debattieren, was denn effektiv eher der "Wahrheit" entsprechen könnte. Wobei wir wiederholt einmal mehr (ich weiss - noch mehr Fragen) fragen müssen, ob es halt diese universelle Wahrheit denn überhaupt gibt. Sehe ich die Dinge und die Welt so, wie sie auch mein Gegenüber wahrnimmt? Kommt es effektiv nie vor, dass ich mir eine individuelle Wahrheit zurecht biege, nur um der Wirklichkeit nicht in die Augen schauen zu müssen? Von daher gesehen wäre es natürlich sehr naheliegend zu denken, dass Andrew oder Daniel (je nach Sichtweise) wirklich nicht alle Tassen im Schrank hat, folglich seine Frau tötete, weil diese in einer depressiven Stimmung die Kinder umgebracht hat. Auf der anderen Seite kann man sich nicht sicher sein, denn die aufgetischte Geschichte der Psychiater scheint so nahtlos überkorrekt zu sein und die Folge daraus, dass sie seit 2 Jahren seines Aufenthalts in der Klinik immer denselben Punkt erreichen, an dem er wieder alles leugnet und schlussendlich wiederum selbst an eine Verschwörungstheorie glaubt, derart verstrickt, dass man wirklich davon ausgehen könnte, dass sie hier einen unliebsam Fragenden um die Ecke bringen wollen.

Da das Zeitalter mit den Akte X Filmen aber vorüber ist, kann man auch aus filmhistorischer Sicht eher davon ausgehen, dass hier keine Verschwörungstheorie einer bösen Regierung in den Nachkriegsjahren aufrecht erhalten wird, zumal sich Daniel oder Andrews am Schluss völlig widerstandslos mit dem eingangs erwähnten Zitat in sein Schicksal der Lobotomie (Elektroschocks und Nervenbehandlung im Hirn mit einer Art Eispickel), welche ihn beruhigen soll und die ihm die Erinnerung rauben wird, schickt. Vielleicht wusste er ja stets, was er tut, wollte aber mit diesem Schritt letztendlich sämtliche schmerzlichen Erinnerungen - da sie nicht mehr weiter verdrängbar waren - seien es diejenigen des Krieges, des vermeintlichen Todes seiner Kinder und der vermeintlichen Tötung seiner Frau endlich hinter sich lassen.

Wer weiss? Ich nicht.

By the way: Krasser Film. Auch heute Abend. A lot of thrill im SoKiiiiiiiiiiiiiiii...

 
Shutter Island Drucken E-Mail
Geschrieben von: RM   

Wer nach gestern noch nicht genug des Nervenkitzels hatte oder sich überhaupt erstmals eine Portion einer psychotisch hochgeladenen Unterhaltung gönnen möchte, der ist heute Abend im Thriller "Shutter Island" bei und mit uns bestimmt gut aufgehoben. Ich freue mich auf einen spannenden Film - trotz oder wegen Leonardo DiCaprio und hoffe, dass ihr bei gutem Wetter und bester Laune mit uns sein werdet.

 

 
The Lovely Bones - der Titel trügt, denn da ist gar nichts lovely... Drucken E-Mail
Geschrieben von: RM   

Ich kann diesen Film nicht beschreiben. Er ist so unantastbar, so unfassbar, so unglaublich. Einerseits brutal, hart, schonungslos geht er mit einem ins Gericht, dadurch dass der Mörder der so süssen und unschuldigen Susie Salmon und der weiteren zahlreichen meist kindlichen oder jugendlichen Opfer dieses Mannes nicht gefasst werden kann. Andererseits spielt er in Dimensionen, wie sie nicht fassbar und daher auch schwierig erklärbar sind.

Auf alle Fälle merkte ich plötzlich am Ende des Films, dass meine Schultern immer noch meine Ohren in die Mangel nahmen, so sehr hatte ich sie hochgezogen, derart verkrampft und gefesselt war ich vom Filmgeschehen. Bis zum Schluss hofft man, dass doch irgendwie dieser Tresor, diese letzte Türe auffallen könnte, welche den Mörder überführt, welcher aber doch zu guter Letzt scheinbar nur von einer höheren Macht dahingerafft werden kann.

Der Film ist auf alle Fälle seelisch schwer zu ertragen, zumal man sich vergegenwärtigen muss, dass nicht bloss damals in den 60er und 70er Jahren Jugendliche und Kinder so ein Schicksal ereilt(e).

Objektiv, das muss man eingestehen, ist der Film, welcher einen Spannungsbogen aufbaut, welcher praktisch von ganz zu Beginn, bis über den Abspann hinaus geht, abartig inszeniert. Subjektiv weiss ich nicht, ob ich mir das noch einmal freiwillig antun möchte.

Wer eine geballte Ladung an Drama, Fantasy und Thriller - und das in einer Mixtur von Regisseur Peter Jackson möchte - der ist hier an der richtigen Adresse. Alle anderen: Bitte Hände weg!

 
Lovely Bones Drucken E-Mail
Geschrieben von: RM   

Lovely Bones gehört bestimmt in die Kategorie der gewagteren Filme des diesjährigen Sommerkinos, da er sich mit der Hauptdarstellerin auf einer Art metaphysischen Ebene - eben ausserhalb des Körpers und Lebens - aber noch nicht im Totenreich abspielt.

Ein junges Mädchen wird umgebracht. Die Leiche wird nie gefunden. Der Mörder lebt als Nachbar weiterhin im Umkreis der trauernden Familie. Das "tote" Mädchen sieht dies alles und schweigt nicht. Ihr Bruder ist der erste, der spürt, dass sie sich irgendwie mitteilen möchte.

Kann ihr Mörder gefasst werden?

Der heutige Abend verspricht viel Spannung. Das Wetter wird hoffentlich trocken bleiben. Ansonsten empfehlen wir nebst dicker und dichter Kleidung unsere 300 Plätze im Zelt am Trockenen.

Bis bald.

 
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